Smartphone-Hersteller, bitte entfernt nicht die Klinken-Buchse

Ich bin gar kein Fan davon, dass nach und nach immer mehr Hersteller auf die Audio-Klinken-Buchse im Smartphone verzichten. Das hat mehrere Gründe. Zuerst einmal aber zu meiner Situation. Ich würde mich schon als jemanden bezeichnen, den man in die leicht-audiophile Ecke schieben kann. Auch wenn ich nicht der „MP3 geht gar nicht“-Meinung bin, höre ich durchaus die Unterschiede zwischen MP3/256, MP3/320 und Lossless. Ich gebe zu für die Unterschiede muss ich wirklich sehr genau hinhören und mich konzentrieren, aber sie sind da. Auch habe ich schon mit 24bit-aufgelösten Audiodateien und Abtastraten jenseits der 44,1kHz „experimentiert“.

Mir geht es komplett gegen den Strich, dass die Klinken-Buche wegrationalisiert wird. Das passiert beim iPhone, bei Samsung, bei HTC und einfach in der ganzen Branche nach und nach. Ich bin sehr froh, dass ich noch ein HTC 10 habe, dass einen exzellenten, internen DAC und Verstärker sowie eine Klinkenbuchse hat. Dazu gehören bei mir immer auch gute bis sehr gute Kopfhörer mit einem analogen Klinkenanschluss. Nun soll dieser aber wegfallen zugunsten von Bluetooth und Audio über USB Typ C. Genau da liegt aber das Problem.

Ein Audiosignal ist ein analoges Signal – eine Wechselspannung. Früher oder später muss das Signal analogisiert werden. Mit der Klinke hat man den Vorteil, dass es absolut einfach und unkompliziert geht. Hat man nur einen guten DAC intern verbaut, ist alles gut. (Das Nexus 5X hat einen katastrophal schlechten internen DAC, das HTC 10 einen sehr guten – beides erlebt). Die eine Alternative ist Bluetooth-Audio mit dem „aptX“-Standard. Damit kann man 24bit und 48kHz wiedergeben und eine Bitrate von 576kbps erreichen (Quelle). Alles über 48kHz und 576kbps ist somit nicht nutzbar. Das heißt Menschen, die super hochauflösende Musik von z. B. „HDTracks“ gekauft haben können diese nicht über Bluetooth vollumfänglich nutzen. Hinzu kommt, dass man dann im Kopfhörer selbst einen DAC braucht, was den Kopfhörer (minimal schwerer) und teurer macht. Bluetooth-Kopfhörer haben aber auch den Nachteil, dass sie nur eine begrenzte Akkulaufzeit haben und nicht in Heimanlagen mit entsprechenden Audio-Verstärkern nutzbar sind.

Möchte man nun aber analoge Kopfhörer weiterhin nutzen, bleibt einem nun wohl nur noch die Wahl Audio über USB Typ C zu nutzen. Doch hier wird das Chaos erst richtig schlimm (Golem.de). Wer den Artikel von Golem gelesen hat, kriegt eine dunkle Vorahnung, was dort Furchtbares auf uns zu kommt.

„Immerhin gibt es für Kopfhörer bisher kein Kabelchaos – es könnte allerdings kommen. Kopfhörer mit abnehmbaren Kabeln wären praktisch und könnten Kabelbrüche verhindern. Doch was würden Kopfhörer-Hersteller als Kabel beilegen? Sicher nicht die 15-adrigen-Kabel mit 5-Ampere-Zertifizierung und dem entsprechenden Power-Delivery-Chip. Die sind nämlich bisher zu starr für den Betrieb am Körper, wo der Anwender ständig seinen Kopf bewegt.“ – Golem.de:
https://www.golem.de/news/usb-typ-chaos-die-unbeschrifteten-1612-125217.html

Dann gibt es bei USB Typ C die Möglichkeiten sowohl Audio analog zu übertragen (bzw. soll es geben) als auch die Möglichkeit Audio digital zu übertragen. Im ersteren Fall braucht das Abspielgerät einen internen DAC, im letzteren Fall der Kopfhörer. Was wenn der Kopfhörer einen DAC hat und dennoch Analog-Audio unterstützt und das Abspielgerät auch einen internen DAC. Woher soll man wissen, mittels welcher Methode die Musik gerade abgespielt wird? Das ist dem Normalnutzer vielleicht egal, aber wenn man etwas mehr Anspruch an Hochwertigkeit hat, dann möchte man vielleicht den hochwertigeren DAC des Abspielgerätes nutzen. Das könnte man zwar im Abspielgerät einstellen, aber dafür müssen erstmal Standards zur Kommunikation zwischen Kopfhörer und Abspielgerät mit Audio-Bezug geschaffen werden.

Was ist mit all denen, die gute, analoge Kopfhörer daheim haben? Die werden wir bald nicht mehr an unseren Smartphones nutzen können. Dafür bedarf es dann entweder neuer USB-Typ-C zu Klinke-Kabel (im Idealfall ist am Kopfhörer selbst auch nur eine Buchse, statt eines eingearbeiteten Kabels), oder aber hässlicher USB Typ C zu Klinke-Adapter. In dem Fall müsste aber ein DAC im Adapter selbst drin sein, was das Kabel schwerer und starrer macht. Und wenn man da was richtig hochwertiges haben will, in der Art hier, dann wird das schweineteuer.

Es gibt mehrere Gründe die gegen Bluetooth sprechen. wie Akkulaufzeit und Qualität für Audio-puristen. Es gibt aber auch Gründe, die gegen USB Typ C als Audiokabel sprechen, denn es wird starrere, schwerere Kabel geben und unangenehme Kompatibilitätsprobleme zwischen bestehenden Equipment und den neuen Anschlüssen. Es gibt zwar wenige Fälle, in denen einem Digital-Audio auch helfen kann, wenn z.B. das eigene Smartphone einen schlechten DAC hat (wie das Nexus 5X!!!!), denn so kann man mit einem guten DAC im Kopfhörer oder im Kabel gegenlenken, allerdings ist ein guter interner DAC sowie ein Klinkenanschluss in Verbindung mit einem einfachen unkomplizierten, leichten, biegsamen Klinken-Kabel für Audio meiner Meinung nach schlichtweg um Längen besser geeignet. Es muss mir auch keiner damit kommen, dass ich rückständig und Innovationsscheu denke. Audio ist analog. Punkt. Das ist keine Philosophie, das ist Physik.

Ich sehe die Entwicklungen äußerst kritisch. Sowohl für Leute, die gute Audioqualität mögen, aber auch die allgemeine Situation mit USB Typ C, die einem Chaos gleicht – und das noch für viele Jahre! Ja, man spart dadurch minimal Platz im Gerät, aber ist es das Wert? Ich sage NEIN! Wieso nicht einfach beides anbieten, Klinke und USB?

Philipp Schuster

Ich bin Philipp, studiere Informatik an der TU Dresden und arbeite als Werkstudent im Bereich Software-Entwicklung bei T-Systems MMS. Ich bin 20 Jahre alt und beschäftige mich in meiner Freizeit gerne mit meinem Blog, Programierung, Technik, aber auch mit Joggen und vielen anderen Dingen. Get To Know Me oder schreibt mich an!

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