Android und ChromeOS verschmelzen?

Android und ChromeOS sind zwei hervorragende und geniale Betriebssysteme von Google, von denen ich beide äußerst gerne nutze und keines mehr missen möchte. Beide haben eine nun schon mehrere Jahre dauernde Entwicklung durchlaufen und ihren ganz eigenen individuellen Charme mit einzigartigem Flair entwickelt. Android als extrem anpassungsfähiges und personalisierbares Betriebssystem, primär für Smartphones, und auf der anderen Seite ChromeOS für sehr mobile Laptops, welches „gerade genug“ Funktionen vereint um genial simpel, aber keineswegs ungenügend zu wirken. Da könnte doch schon mal die Frage aufkommen, ob diese beiden Systeme nicht intern konkurrieren und sich gegenseitig am Markt bedrängen? Sollte man diese Systeme in einem einzigen System vereinen oder parallel weiter betreiben?

Android und ChromeOS haben aufgrund ihres jeweiligen Konzeptes ganz eigene Anwendungsgebiete mit jeweiliger Nutzerbasis für sich eingenommen. Android verbindet man mit Smartphones, Multi-Touch-Bedienung und kleinen Bildschirmen, ChromeOS hingegen mit einem Laptop mit relativ großem Bildschirm und einer richtigen Tastatur für angenehmes schreiben von längeren Texten. Ich möchte bereits schon mal hier darauf hinweisen, dass ich soweit keine Konkurrenz zwischen den beiden Systemen erkennen kann. Das eine ein System mit Fokus auf ultramobile Geräte, wie Smartphones, Tablets und neuerdings auch Wearables, gegenüber einem System, dass optimiert ist für große Bildschirme und die Bedienung mit Cursor und Tastatur. Bei einer Verschmelzung beider Systeme würde zwangsläufig von jedem etwas gestrichen werden. Die (ehemalige) Nutzerbasis des jeweiligen Systems wäre verärgert, da sie nun nicht mehr die gewohnten Arbeitsabläufe durchlaufen kann und sich umgewöhnen müsste. Herzlichen Glückwunsch, dann hätten wir ein „Windows 8 – 2.0“.

Kleiner Exkurs: Ich finde es toll, was Microsoft da mit Windows 8 probiert hat, denn so eine Neuerung könnte ja auch phänomenal positiv aufgenommen werden. Die Vergangenheit zeigt uns aber nun, dass das einfach nicht funktionieren kann. Eine radikale Umstellung, nur um verschiedene Plattformen irgendwie zu vereinen, ist es absolut nicht wert, wenn die Nutzer verärgert werden und sich alles verändert und – wie vorhin schon angesprochen – das System seinen typischen Charme verliert. Das will wirklich keiner und so etwas darf bitte niemals mit Android und ChromeOS passieren. Da möchte ich mal noch kurz auf Apple verweisen, denn die scheinen es genau richtig zu machen. Mac OS X Yosemite und iOS 8 können hervorragend miteinander kommunizieren, bleiben aber ihrer Linie treu! Ich kenne zwar keines der beiden Apple-Systeme genauer, aber hier geht es um das Prinzip.

Stattdessen müssen die Systeme Android und ChromeOS ihrer jeweiligen Linie treu bleiben, ihrem Konzept entsprechend an Funktionen gewinnen und bestens miteinander kommunizieren können, damit es für den Nutzer schön einfach ist. Ich habe vorhin vom „individuellen Charme mit einzigartigem Flair „ gesprochen, doch was meine ich eigentlich damit?

ChromeOS

ChromeOS ist ein Chrome-Browser mit erweiterten Funktionen, extrem simpel zu bedienen und an einen sehr mobilen Laptop bzw. ein Chromebook gekoppelt. Das einfache Layout und die dezenten Apps und Erweiterungen ermöglichen es mir, mich wirklich auf das gerade Wichtige zu konzentrieren. Sei es eine E-Mail zu schreiben, einen langen Text in Google Docs (wie diesen hier) zu verfassen oder schlichtweg im Web zu surfen. Zudem ist durch die Chrome-Synchronisation die Benutzererfahrung überall da wo man eingeloggt ist 1:1 die gleiche. ChromeOS ist zwar kein Windows und damit in vielen Fällen schlicht der Zweit-Computer, aber hat eine wachsende Nutzerbasis, die mit diesem System aus den verschiedensten Gründen gut arbeiten kann und will. Warum sollte man dieses System komplett umstellen (verschmelzen), wenn es eine treue und vor allem wachsende Nutzerbasis gibt? Da muss man doch der Linie treu bleiben. Ich möchte jetzt nicht groß darüber philosophieren, für welche unzähligen Verwendungszwecke ChromeOS nutzbar ist, aber klarstellen dass sein Konzept eine komplette und eigenständige Daseinsberechtigung hat und nicht umgeformt oder umgegliedert werden soll, darf sowie muss.

Android

Android umfasst unglaubliche Weiten und hat nicht umsonst Milliarden Geräte als Betriebesystem bevölkert. Es ist super optimiert für kleine Multi-Touch-Displays auf Smartphones und Tablets und wird darum geliebt und genutzt von einer hunderte Millionen Menschen schweren Nutzerbasis. Android ist ganz anders als ChromeOS. Apps können hier das halbe System umgraben und man kann sich alles umfangreich personalisieren. Ich finde Android hat den Charme eines persönlichen Begleiters, da man konkret das Smartphone so intensiv nutzt, dass es fester Bestandteil des Alltags ist. Bei Android denke ich nicht nur daran mal schnell die E-Mail zu schreiben, sondern mir gründlich den Homescreen und Launcher einzurichten. Auch hier gilt wieder: Warum sollte man dieses System komplett umstellen (verschmelzen), wenn es eine treue und vor allem wachsende Nutzerbasis gibt? Die beiden Systeme konkurrieren nicht mit einander, sondern ergänzen sich sogar.

ChromeOS wirkt professionell simpel und hat sich den Fokus auf die zu erledigende Aufgabe gesetzt, Android hingegen (in Verbindung mit den Google-Apps) ein kompletter und treuer persönlicher Assistent mit Personalisierung und allem Drum und Dran. Das ergibt auch Sinn, denn einen Laptop nutzt man in erster Linie zum Erledigen von verschiedenen Aufgaben, wie vorhin schon genannt zum Beispiel Office-Arbeiten. Da bietet sich ein System an, dass nicht mit Personalisierungs-Möglichkeiten ablenkt. Android hingegen, durch das Smartphone ständig am Körper, ist ja fast schon ein Lebensbegleiter und somit für mehr da, als nur zum strikten Abarbeiten von Aufgaben. Selbst wenn ich in totalem Stress bin möchte ich da eine angenehme Benutzererfahrung erleben, was man durch eine individuelle und umfangreiche Personalisierung des Systems erreicht. Ich weiß leider nicht genau, wie ich die Mentalität beim Benutzen des Gerätes am besten abstrahieren soll, damit es sich gut in den Text eingliedert. Wer das System benutzt, der „spürt“ es einfach und weiß was ich meine. Aufgrund der Möglichkeiten eines Systems und wie beziehungsweise wo wir es benutzen (Smartphone, Laptop, …) entwickeln wir doch zumindest unterbewusst gewisse Umgangsformen und Anforderungen daran. Ich weiß nicht ob es vielleicht jetzt nur mir so geht und ich für mich rede, aber versucht euch das doch mal vorzustellen: Bei ChromeOS ist das Aussehen und Personalisierbarkeit bis ins letzte Detail doch relativ egal, hier möchte ich einfach meinen Text zu Ende schreiben. Am Smartphone, welches man ungemein öfter nutzt, möchte man zum Beispiel den Launcher des Vertrauens nutzen, damit man auch am frühen Morgen die miese Laune nicht am Gerät auslässt und sich statt dessen eine kleine digitale „Wohlfühlzone“ einrichtet.

Um dieses Thema, was sich für mich zwar einfach anhörte und sich dann doch als etwas schwieriger herausgestellte hat, mal zusammenzufassen: Mit Android hat man den ganzen Tag zu tun, da das Smartphone beim Einzelnen in der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken ist. Da möchte man auch, wenn man zum Beispiel in der Bahn ist, einen „kleinen digitalen Rückzugsort“ des Vertrauens haben und freut sich über die umfassende Personalisierung. Wenn ich dann aber zu Hause am Chromebook einen langen Text schreib, geht es mir nur um das Textschreiben an sich und nicht um das drum­he­rum.

Es ist in diesem Artikel nicht in erster Linie notwendig gewesen zu klären wie und wozu man welches Betriebssystem denn benutzen soll, allerdings konnte ich so besser herauszustellen, wie unterschiedlich beide Systeme sind ohne dabei Konkurrenten zu sein. Vielmehr sind es ergänzende Systeme für verschiedene Aufgabenbereiche und verschiedene Geräte. Und selbst wenn ihr die Systeme komplett anders nutzt, ihr wollt doch nicht eine radikale und unnötige Umstellung, die alles verändert und verschlechtert?

Fazit

Jedes Betriebssystem hat eine Nutzerbasis gewonnen, die dessen Charme (unterbewusst) erkannt hat und ihn zu schätzen weiß. Eine Verschmelzung klingt im ersten Moment vielleicht super toll, würde allerdings, so sehe ich das zumindest, alles kaputtmachen wofür die beiden Systeme stehen. Würde es zu einer Verschmelzung kommen, wie manche es zum Beispiel in Kommentaren bei Google+ fordern, würden Android und ChromeOS ihren Charme und ihre Einzigartigkeit verlieren und eine Menge Leute unglücklich mit „Windows 8 – 2.0“ werden. Ich bin ein Chromie und ein Android-Fan, aber jedes System bitte einzeln für sich. Durch Updates sollen die Systeme ergänzt werden, aber ihrer Linie treu bleiben und miteinander auf tolle Weise kommunizieren können, wie zum Beispiel Anrufe oder SMS vom Smartphone zum Chromebook weiterleiten. ChromeOS und Android sind zu verschieden, als das eine Verschmelzung überhaupt auch nur in Frage kommen dürfte, sie konkurrieren für mich nicht mal. Zwei super optimierte Systeme für zwei verschiedene Anwendungsbereiche (Touch/Desktop) und nicht eine Verschmelzung ein Mischmasch der alles kaputt macht. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine Verschmelzung auch nur ansatzweise möglich geschweige denn vorteilhaft wäre, also bitte liebe Leute, verlangt nicht danach.

Für gute Gegenargumente bin ich natürlich offen, immer her damit in den Kommentaren.

Philipp Schuster

Ich bin Philipp, studiere Informatik an der TU Dresden und arbeite als Werkstudent im Bereich Software-Entwicklung bei T-Systems MMS. Ich bin 22 Jahre alt und beschäftige mich in meiner Freizeit gerne mit meinem Blog, Programierung, Technik, aber auch mit Joggen und vielen anderen Dingen. Get To Know Me oder schreibt mich an!

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