Sigmar Gabriel und Eric Schmidt in der Diskussionsrunde: #WirtschaftfuerMorgen

Auf heute habe ich mich schon mehrere Tage gefreut, denn Sigmar Gabriel und Eric Schmidt haben eine offene Diskussionsrunde bezüglich Googles Stellung primär in Deutschland besprochen. Das Ganze war als „Live-Stream“ abrufbar und dauerte von 19:00 Uhr bis etwa 20:40 Uhr. Organisiert wurde das Event vom BMWi, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, und dem Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Man hätte ja damit rechnen können, dass sich das Ministerium mit einem Live-Stream zeitgemäß präsentiert, aber die Qualität ließ wirklich sehr zu wünschen übrig. Bildtechnisch hat es extrem geruckelt, aber immerhin ging die Audio-spur einigermaßen. Zumindest dann, wenn nicht gerade die offensichtlich überforderten Englisch-Deutsch-Moderatoren in Aktion waren, teilweise waren sogar die Tonspuren für Deutsch und Englisch überlagert. Technisch gesehen passt das nicht in das Jahr 2014. Mein Vorschlag: Hangout on Air, denn das hätte thematisch ja bestens gepasst.

Von Sigmar Gabriel bin ich positiv überrascht, da er doch gute Punkte angesprochen hat und gar keine so unzeitgemäßen Vorstellungen bezüglich der modernen Welt hat. Nach seinen Äußerungen in den letzten Monaten, zum Beispiel Google zu zerschlagen, habe ich das definitiv anders erwartet. Herr Gabriel ist „fasziniert“ von Google und sieht darin durchaus Chancen und Möglichkeiten. Eric Schmidt hat Googles Sicht auf die Themen gut rüber gebracht, erklärt wie Google bestimmte Daten verarbeitet und was Google alles tut um sich Gesetzen und Wettbewerb anzupassen. Man kann also durchaus sagen, dass die Diskussion okay war und nicht so „Neuland-mäßig“.

Herr Gabriel hat zum Beispiel erkannt, dass es aberwitzig wäre Googles Suchalgorithmus zu untersuchen und dass er es gar nicht so weit kommen lassen möchte. Sowohl er, als auch Herr Schmidt, waren beide an Anpassungen interessiert. Herr Schmidt hat auf die Fragen, die bezüglich der Datensouveränität aufgetaucht sind, unmissverständlich auf die entsprechenden Google Funktionen verwiesen, mit denen sich Daten aus dem eigenen Google-Konto teilweise sowie vollständig löschen lassen und dass davon bereits zehntausende Male Gebrauch gemacht wurde. Bei Google hat man durch Google Takeout und das Google Dashboard tatsächlich große Einflussmöglichkeiten auf die eigenen Daten, gut dass er das erwähnt hat. Tausende wissen das leider nicht, informieren sich nicht mal und meckern stattdessen. Außerdem hat er nochmals ganz deutlich klar gestellt, dass Google keine persönlichen Daten verkauft und bei Gmail die Analyse der Keywords in einer E-Mail von Algorithmen so anonym abgewickelt werden, dass nicht mal Werbetreibende Rückschlüsse ziehen können. Herr Gabriel hat hier mit dem „Post- und Fernmeldegeheimnis“-Grundrecht zuvor attackiert, doch das sehe ich an dieser Stelle nicht gefährdet.

Im Laufe der Debatte wurden viele Fragen von Menschen im Saal gestellt und beantwortet. Die meisten bezogen sich darauf, dass Google (angeblich) eigene Angebote in der Suche bevorzugt, woraufhin Herr Schmidt darauf einging, dass es bereits Einigungen mit den Kartellbehörden gegeben habe, wie man Werbung etc. darstellt. Er hat zudem, was ich sehr wichtig finde, erwähnt, dass der Nutzer im Fokus steht und dieser etwas Nützliches finden möchte. Wenn man etwas Nützliches finden möchte, muss natürlich aussortiert werden und das ist schwierig abzuwägen mit dem Wettbewerbsgleichgewicht. Damit hat er natürlich völlig Recht, der Nutzer steht absolut im Vordergrund und nicht die (werbende) Industrie.

Es wurde viel darüber gesprochen, wie man „das nächste Google“ in Europa begünstigen könnte, bzw. wie man die Start-Up-Szene unterstützt. Hier wurden Finanzierungen angesprochen, aber auch grundlegende Dinge, wie die Infrastruktur. Breitband ist wichtig, aber auch längerfristig gesehen Schulen, Hochschulen und Universitäten. Was Herr Gabriel hier eingebracht hat, hat mir sehr gefallen und da bin ich mit ihm ganz einer Meinung: Vielleicht sollte man als zweite Fremdsprache statt Latein eher Programmierung und Algorithmierung anbieten, was auch längerfristig die europäische Industrie mit schlauen IT-Köpfen ergänzen dürfte.

Ich erinnere mich leider nicht mehr exakt an alles aus der Diskussionsrunde, aber insgesamt war sie sehr aufschlussreich. Herr Schmidt hat Einblicke gegeben, wie Google bestimmte Dinge sieht und Daten verarbeitet, aber auch Kompromisse und Kritikpunkte begrüßt. Ich finde überraschend, dass Herr Gabriel eine deutlich liberalere Einstellungen zum Internet, aber auch speziell zu Google, hat, als ich es erwartet habe.

PS: Wenn seit Tagen mit dem Hashtag #WirtschaftfuerMorgen geworben wird und das auch während des Stream oft eingeblendet wurde, dann sollten die Organisatoren vielleicht auch mehr als nur eine einzige Frage aus den Sozialen Medien in die Diskussion aufnehmen.

Philipp Schuster

Ich bin Philipp, studiere Informatik an der TU Dresden und arbeite als Werkstudent im Bereich Software-Entwicklung bei T-Systems MMS. Ich bin 22 Jahre alt und beschäftige mich in meiner Freizeit gerne mit meinem Blog, Programierung, Technik, aber auch mit Joggen und vielen anderen Dingen. Get To Know Me oder schreibt mich an!

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